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Live-Streaming – wie ich es gemacht habe und welche Erfahrungen es gab

Auch bei mir hat die „Corona-Zeit“ besondere Herausforderungen mit sich gebracht. Eine davon war, dass ein befreundeter Pater die lokale hl. Messe live ins Internet übertragen wollte, solange keine Leute in der Kirche sein durften.
Nachdem ich bislang selber mit diesem Thema noch nichts am Hut hatte, musste ich mir erst einmal überlegen, wie ich dies technisch anstellen wollte. Meine ersten Kandidaten waren (natürlich) YuoTube und Vimeo, doch bei beiden Dienstleistern musste ich schnell feststellen, dass die Hürden für einen wirklichen Live-Stream sehr hoch sind und ich diese nicht erfüllen konnte.

Nach etwas mehr Recherche bin ich auf Twitch aufmerksam geworden. Es handelt sich dabei eher um eine Livestreaming-Plattform für „Gamer“, aber die Voraussetzungen um darüber „Live-Übertragungen“ machen zu dürfen sind erfreulich niedrig. Eigentlich muss man sich dort nur einen Account klicken und schon könnte es losgehen.

Nun hatte ich ja noch das Problem, dass ich keinen klassischen Bildschirminhalt zu Twitch übertragen wollte, sondern irgendwas, was eine Kamera aufnimmt. Um es kurz zu machen, ich bin auf die iOS App „mimoLive Reporter“ von BOINX aufmerksam geworden und diese kann Live-Stream von der iPhone-Kamera zu Twitch schicken.
Die App ist erst mal kostenlos, blendet aber einen „Werbebanner“ der App am rechten Bildschirmrand ein. Diesen kann man dann via InApp-Kauf entfernen. Ich glaube ein Monat kostet 99 Cent und ein komplettes Jahr irgendwas um die 20 EUR – faires Angebot, welches ich auch in Anspruch genommen habe.

Um nicht mein Datenvolumen aufzubrauchen, haben wir dann noch mittels eines sehr langen Netzwerkkabels einen WLAN AccessPoint in die Kirche gelegt und so hatte ich auch einen stabile und „volumensfreie“ Internetanbindung. 😉

Bereits die ersten Test mit einem sehr überschaubaren Netzerkreis (ca. 20 Personen) verlief sehr vielversprechend und herrlich unkompliziert. Überrascht war sich auch von der Stabilität der Übertragung. Ich hatte bei meinen Tests keinerlei Ausfälle zu beklagen.

Nun hatte ich zwar den technischen Grundstock gelegt, aber ich wollte nicht, dass mögliche Live-Kirchen-Zuschauer sich auf der Twitch-Webseite „rumtreiben“ sollten. Somit hab ich nach einer Möglichkeit gesucht, wie ich diesen Live-Stream auf einer Webseite einbauen könnte.
Ich hatte Glück und Twitch bietet da eine sehr simple Möglichkeit an.
Wenn man auf der Twitch-Webseite eingeloggt ist und man dort seinen Kanal öffnet, so findet man darunter einen „Sharing-Button“ und dort wiederum gibt es den Punkt „Einbetten“. Damit hat man entweder die Möglichkeit seinen Stream mittels JavaScript oder iFrame in eine beliebige Webseite (in meinen Fall WordPress) einzubauen.

Der verwendete Code für die iFrame Variante schaut in meinen Fall so aus:

<iframe src="https://player.twitch.tv/?channel=ostermeiernet&parent=www.example.com" frameborder="0" allowfullscreen="true" scrolling="no" height="378" width="620"></iframe>

Somit war alles für die erste Live-Übertragung vorbereitet. Und auch diese „Sendung“ verlief reibungslos und ohne (mir bekannte) Performance-Probleme. Zu „Spitzenzeiten“ hatte ich auf meinen Live-Stream ca. 275 Geräte, die den Twitch-Stream von meiner Webseite aufgerufen hatten!

Zu erwähnen sei vielleicht auch noch, dass die „mimoLive Reporter“-App die Möglichkeit bietet so „Folien“ einzublenden, mit deren Hilfe ich dann Vor- und Abspann realisiert habe. Auch die Anzeige der Lieder habe ich damit gemacht und das hat eigentlich gut funktioniert.
„Eigentlich“ deswegen, weil man die betreffende „Folie“ beim ein- und ausblenden antippen muss und ich dadurch immer einen kleinen „Wackler“ im Bild hatte. Nicht schlimm, aber doch irgendwie störend.

Und zum Abschluss vielleicht noch zwei Sachen, die ich beim nächsten Mal besser machen sollte/könnte.
1. Audio:
Ich hab einfach nur das iPhone Mikrofon verwendet, was grundsätzlich schon gut ist. Allerdings hat man in der Kirch das Problem des Halls. Da wurde mir von ein paar Personen mitgeteilt, dass dies störend ist und unter Umständen dann auch schwer zu verstehen.
Da müsste ich entweder überlegen, ob ich mir ein andere Mikrofon zulege, was aber das Grundproblem mit dem Hall nicht löst, oder ob ich es irgendwie zusammen bringe, dass ich das Audio der PA-Anlage (Lautsprecheranlage), welche in der Kirche verbaut ist, abgreife und dieses in den Stream einspeise.
2. Stativ:
Ich hab ein Stativ verwendet, welches ich schon seid Jahrzehnten zuhause rumliegen hatte und für den bisherigen Einsatzzweck (Fotos machen) prima funktioniert hat. Dieses Mal hatte ich es aber mit Video zu tun und da musste ich auch hin und wieder Kameraschwenks machen und dabei stellte ich heraus, dass das Drehgelenk am Kopf des Stativs an manchen Stellen leichter und an anderen Stellen schwerer sich bewegen läßt. Dadurch kam es auch zu Rucklern in der Kameraführungen. Auch nicht weltbewegend schlimm, aber störend und verbesserungswürdig. Wäre da vielleicht ein kleines Gimbal eine Alternative??!

Ach ja und was mir gerade noch eingefallen ist:
In der iOS App kann man aus irgendwelchen (mir unerfindlichen) Gründen nicht zoomen! Das wäre hin und wieder echt praktisch gewesen, ging aber nicht. Konnte man auch nicht als InApp-Kauf freischalten. 😉

Aber alles in Allem hab ich sehr gute Erfahrungen mit dem Thema Live-Streaming gemacht. Er Einstieg ist erfreulich leicht und mit nahezu keinen Kosten verbunden. Klar, Luft nach oben ist immer – aber muss das sein? Wer nur mal schnell war übertragen möchte, findet in der oben beschriebenen Lösungen eine sehr schnell und günstige Variante. 🙂

Nachtrag vom 13. August 2020:

Nachdem ich nun nach ca. 2 Monaten mal wieder einen Live-Stream machen wollte, musste ich leider feststellen, dass ich sowohl beim Streaming über den „Mimo Live Reporter“, als auch auf meiner WordPress-Seite (wo der iFrame von twitch.tv eingebettet war) einen Fehler erhielt.
Das Problem am iPhone mit der „Reporter-App“ konnte ich damit lösen, dass ich die App gelöscht habe, erneut neu installiert und mich dann dort wieder bei Twitch eingeloggt habe.

Bei WordPress musste ich den HTML-Code erneut einfügen und eine leichte Änderung vornehmen. Dieser sieht jetzt so aus:

<iframe src="https://player.twitch.tv/?channel=ostermeiernet&amp;parent=ostermeier.net" frameborder="0" allowfullscreen="true" scrolling="no" height="378" width="620"></iframe>

Im Vergleich zu dem oberen Code-Schipsel musste ich nun die URL von mit eintragen. Ich glaube, dass war bei meinen ersten Versuchen nicht zwingen von Nöten.